Wie lange bleibt Ketamin in Ihrem System?
Alles zur Nachweisbarkeit, Verweildauer und Einflussfaktoren
Ketamin hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen – sowohl in der Medizin als auch in der Psychiatrie. Als Anästhetikum, Schmerzmittel und neuerdings als vielversprechende Therapieoption bei Depressionen stellt sich vielen Patientinnen und Patienten die Frage: Wie lange bleibt Ketamin im Körper?
In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Verweildauer von Ketamin im menschlichen Körper, die Nachweisbarkeit in Blut, Urin und Haaren, sowie die Faktoren, die beeinflussen, wie schnell oder langsam die Substanz abgebaut wird.
Was ist Ketamin?
Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum, das seit den 1960er Jahren medizinisch verwendet wird. Ursprünglich für chirurgische Eingriffe entwickelt, wird es heute auch bei chronischen Schmerzen, Notfällen und zunehmend in der psychiatrischen Behandlung von Depressionen und PTBS eingesetzt.
Wie lange bleibt Ketamin in Ihrem System Ketamin wirkt durch die Blockade von NMDA-Rezeptoren im Gehirn. Diese Interaktion führt zu einer Trennung von Bewusstsein und Körperempfinden (Dissoziation), aber auch zu einer schnellen antidepressiven Wirkung, die bei klassischen Antidepressiva oft Wochen braucht.
Wie lange wirkt Ketamin im Körper?
Die akute Wirkung von Ketamin ist meist kurz:
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Intravenös verabreicht: Wirkung innerhalb von Sekunden, Dauer ca. 30–60 Minuten
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Intramuskulär: Wirkung nach ca. 5 Minuten, Dauer ca. 1–2 Stunden
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Nasenspray (z. B. Esketamin): Wirkung in 10–20 Minuten, Dauer 1–1,5 Stunden
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Oral (selten): Wirkung in 20–40 Minuten, Dauer 2–3 Stunden
Doch auch wenn die Wirkung vergleichsweise schnell nachlässt, kann Ketamin oder seine Abbauprodukte noch länger im Körper nachweisbar sein.
Wie wird Ketamin im Körper abgebaut?
Nach der Verabreichung wird Ketamin hauptsächlich über die Leber abgebaut. Dort wird es durch Enzyme des Cytochrom-P450-Systems (CYP3A4, CYP2B6 und CYP2C9) in mehrere Metaboliten umgewandelt, insbesondere:
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Norketamin (aktiv)
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Dehydronorketamin (aktiv)
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Weitere inaktive Verbindungen
Diese Metaboliten werden über den Urin ausgeschieden.
Die Halbwertszeit von Ketamin im Blut liegt je nach Verabreichung bei etwa 2,5 bis 3 Stunden, das heißt: Nach dieser Zeit ist die Hälfte des Ketamins aus dem Blut entfernt.
Wie lange bleibt Ketamin im Körper nachweisbar?
Die Nachweisbarkeit hängt stark vom Testverfahren, der Dosis, der Körperzusammensetzung und der individuellen Stoffwechselrate ab.
1. Urin:
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Nachweisbarkeit: bis zu 3–5 Tage
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Gängiges Testverfahren: Immunoassays und Gaschromatographie/Massenspektrometrie (GC/MS)
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Hinweis: In niedriger Dosierung oder bei guter Leberfunktion kann der Abbau auch schneller erfolgen
2. Blut:
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Nachweisbarkeit: ca. 24–72 Stunden
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In medizinischen oder forensischen Kontexten oft verwendet
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Nicht Teil gängiger Drogentests, aber gezielt nachweisbar
3. Speichel:
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Nachweisbarkeit: ca. 1–2 Tage
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Schnelltest möglich, jedoch weniger genau
4. Haare:
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Nachweisbarkeit: bis zu 90 Tage oder länger
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Da Haare langsam wachsen (ca. 1 cm pro Monat), kann Ketamin über Monate nachgewiesen werden – auch wenn es nur einmalig konsumiert wurde
Einflussfaktoren auf die Nachweisdauer
Nicht jeder Körper verarbeitet Ketamin gleich schnell. Es gibt zahlreiche Einflussfaktoren:
1. Dosis und Häufigkeit
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Eine hohe Einzeldosis oder regelmäßiger Konsum verlängert die Nachweisbarkeit deutlich
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Therapeutische Mikrodosen (z. B. bei Depressionen) sind meist schneller abgebaut
2. Individuelle Stoffwechselrate
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Abhängig von Genetik, Lebergesundheit, Ernährung und Bewegung
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Menschen mit schnellem Stoffwechsel scheiden Ketamin schneller aus
3. Körpergewicht und Fettanteil
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Ketamin ist lipophil (fettlöslich) und kann sich im Fettgewebe anreichern
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Bei höherem Körperfettanteil ist eine längere Speicherung möglich
4. Hydratation
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Ausreichend Wasser trinken kann den Urinfluss fördern und so den Abbau begünstigen
5. Medikamente und Substanzinteraktionen
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Medikamente, die das CYP450-Enzymsystem beeinflussen, können den Abbau beschleunigen oder verlangsamen
Wird Ketamin bei Drogentests erkannt?
Standardmäßige Drogenscreenings, wie sie etwa bei Arbeitgebern, im Straßenverkehr oder beim Militär verwendet werden, testen meist auf:
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THC (Cannabis)
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Kokain
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Amphetamine
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Opiate
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Benzodiazepine
Ketamin gehört nicht zu den Standarddrogen in diesen Tests. Es kann aber in erweiterten Screening-Programmen oder bei gezieltem Verdacht erfasst werden – etwa in der forensischen Toxikologie.
Wichtig: Bei einer medizinisch verordneten Ketamintherapie (z. B. gegen Depressionen) sollte man dies gegenüber behandelnden Ärzten oder Behörden offen kommunizieren.
Ketamin in der medizinischen Anwendung – rechtlich sicher?
In Deutschland ist Ketamin verschreibungspflichtig, aber kein Betäubungsmittel im klassischen Sinn – solange es medizinisch verordnet wird. In einer kontrollierten Anwendung durch Fachärzte (z. B. Psychiater, Schmerztherapeuten) ist die Einnahme legal und sicher.
Wird Ketamin ohne ärztliche Verschreibung konsumiert, fällt es rechtlich unter das Arzneimittelgesetz (AMG) – illegaler Besitz kann strafrechtlich verfolgt werden.
Wie lange sollte man mit dem Autofahren warten?
Nach einer medizinischen Ketamintherapie sollte man mindestens 24 Stunden lang kein Fahrzeug führen. Auch wenn sich die Wirkung subjektiv schnell abschwächt, kann:
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die Reaktionszeit verzögert sein
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die Konzentration beeinträchtigt sein
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die Wahrnehmung verändert bleiben
Eine genaue Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist immer sinnvoll.
Fazit: Wie lange bleibt Ketamin im Körper?
Die akute Wirkung von Ketamin dauert meist nur 30 Minuten bis 2 Stunden, aber die Nachweisbarkeit im Körper kann mehrere Tage – im Haar sogar Monate – betragen.
Medium | Nachweisbarkeit |
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Blut | ca. 1–3 Tage |
Urin | ca. 3–5 Tage |
Speichel | ca. 1–2 Tage |
Haare | bis zu 90+ Tage |
Die Dauer hängt von vielen Faktoren ab – darunter Dosierung, Häufigkeit, Stoffwechsel, Körperfettanteil und Hydration.
Bei therapeutischer Anwendung ist Ketamin medizinisch sicher, rechtlich zulässig und wird unter Aufsicht angewendet. Dennoch ist es wichtig, mögliche Nachwirkungen zu kennen – gerade im Straßenverkehr oder bei Drogenscreenings.