Kann man Ketamin überdosieren?
Ketamin ist ein vielseitig eingesetztes Medikament, das sowohl in der Anästhesie als auch in der Schmerz- und Depressionstherapie Anwendung findet. In den letzten Jahren hat das Interesse an Ketamin zugenommen – sowohl in medizinischen als auch in nicht-medizinischen Kontexten. Doch mit dem wachsenden Einsatz und der experimentellen Nutzung stellt sich eine berechtigte Frage: Kann man Ketamin überdosieren?
In diesem Artikel erklären wir:
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Was Ketamin ist und wie es wirkt
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Welche Risiken bei falscher Anwendung bestehen
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Was eine Überdosis ist und wie sie sich äußert
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Welche medizinischen Maßnahmen bei Überdosierung notwendig sind
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Wie eine sichere Anwendung aussieht
Was ist Ketamin?
Ketamin wurde in den 1960er Jahren als Narkosemittel entwickelt und wird heute unter anderem verwendet für:
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Allgemeinanästhesie (in Notfällen, Operationen, Tiermedizin)
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Behandlung chronischer Schmerzen
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Therapie therapieresistenter Depressionen (Ketamininfusionen)
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Off-Label: Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Ketamin wirkt primär auf den NMDA-Rezeptor, beeinflusst aber auch andere Neurotransmitter-Systeme wie:
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Dopamin
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Serotonin
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Opioidrezeptoren
Durch diese Wirkweise verändert Ketamin das Bewusstsein und kann zu sogenannten dissoziativen Zuständen führen.
Wie wird Ketamin verabreicht?
Ketamin kann auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen:
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Intravenös (IV): In Kliniken – wirkt schnell und stark
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Intramuskulär (IM): Häufig in der Notfallmedizin
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Intranasal (Nasenspray): z. B. Esketamin in der Depressionsbehandlung
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Oral (Tabletten, Lösungen): Sehr geringe Bioverfügbarkeit
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Rektal oder sublingual (selten)
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Rekreativ: In Pulverform geschnupft („Keta“)
Die Verabreichungsart hat starken Einfluss auf Wirkbeginn, Intensität und Dauer – und auch auf das Risiko einer Überdosierung.
Was versteht man unter einer Überdosierung?
Eine Überdosierung tritt auf, wenn mehr Ketamin eingenommen wird als der Körper verarbeiten kann. Das führt zu einer toxischen Wirkung, die potenziell lebensbedrohlich sein kann.
Die genaue Dosis, die zu einer Überdosierung führt, hängt von mehreren Faktoren ab:
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Körpergewicht und Konstitution
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Gesundheitszustand (z. B. Leber- oder Nierenerkrankungen)
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Einnahme anderer Substanzen (z. B. Alkohol, Benzodiazepine)
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Toleranzentwicklung
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Art der Anwendung (z. B. intravenös vs. nasal)
Kann man Ketamin überdosieren? – Die klare Antwort: Ja
Ketamin kann überdosiert werden – besonders bei nicht-medizinischer Anwendung. Die meisten medizinischen Anwendungen arbeiten mit genauen Dosisvorgaben, meist im Bereich von:
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0,5 mg/kg Körpergewicht (i.v.) bei Depression
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1–4,5 mg/kg (i.v.) zur Narkoseeinleitung
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>10 mg/kg: potenziell gefährlich, abhängig von Kontext
Risiko bei missbräuchlicher Nutzung:
Auf dem Schwarzmarkt oder im Freizeitgebrauch wird Ketamin häufig unreguliert und in unsicheren Dosierungen konsumiert. Dies erhöht das Risiko einer Überdosis erheblich – besonders bei Kombination mit:
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Alkohol
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Benzodiazepinen
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Opioiden
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Beruhigungsmitteln
Symptome einer Ketamin-Überdosis
Je nach Dosis und Anwendungsform zeigen sich unterschiedliche Symptome. Eine Überdosierung kann sich äußern durch:
Leichte bis moderate Überdosis:
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Übelkeit, Erbrechen
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Gleichgewichtsstörungen
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Verwirrung, Sprachstörungen
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Desorientierung
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Halluzinationen, Albträume
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Erhöhter Puls und Blutdruck
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Kopfschmerzen
Schwere Überdosis:
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Bewusstlosigkeit
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Atemdepression (selten, aber möglich)
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Komaähnlicher Zustand („K-Hole“)
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Krämpfe oder Muskelstarre
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Blutdruckabfall
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Langsame oder flache Atmung
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Starke Dissoziation bis hin zur Realitätsflucht
In Kombination mit dämpfenden Substanzen (z. B. Alkohol oder Benzodiazepinen) kann es zu lebensgefährlichen Zuständen kommen.
Was tun bei einer Ketamin-Überdosis?
Im Falle einer vermuteten Überdosis sollte sofort ärztliche Hilfe geholt werden – z. B. durch den Notruf (112 in Deutschland).
Erste Maßnahmen:
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Person in stabile Seitenlage bringen, wenn bewusstlos oder desorientiert
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Atemwege freihalten
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Keine zusätzlichen Substanzen verabreichen
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Krankenhausaufenthalt einleiten
Im Krankenhaus erfolgt:
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Sauerstoffzufuhr bei Atemproblemen
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Kreislaufüberwachung
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Flüssigkeitsgabe intravenös
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Beruhigungsmittel (z. B. Benzodiazepine) bei Erregungszuständen
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Überwachung bis zur vollständigen Erholung
Gut zu wissen: Es gibt kein spezifisches Gegenmittel (Antidot) für Ketamin. Die Behandlung ist symptomatisch.
Wie gefährlich ist eine Ketamin-Überdosis?
Im medizinischen Gebrauch gilt Ketamin als relativ sicheres Medikament, da es:
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selten zu Atemstillstand führt
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auch bei hohen Dosen vital stabilisierend wirken kann
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keine direkte Wirkung auf das Herz hat (außer über den Blutdruck)
Tödliche Überdosierungen sind selten, aber möglich – insbesondere bei:
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Kombination mit anderen Drogen
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Versehentlicher Hochdosisgabe
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Einnahme durch Kinder oder ungeübte Personen
Wie kann man eine Überdosis vermeiden?
Im medizinischen Kontext:
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Nur durch Fachpersonal verabreichen lassen
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Exakte Dosierung beachten
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Patienten sorgfältig überwachen
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Kombination mit anderen Medikamenten abstimmen
Bei legaler therapeutischer Nutzung:
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Aufklärung durch geschultes Personal
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Langsame Dosiseinstellung
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Einhalten der Einnahmepläne
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Auf Alkohol und Beruhigungsmittel verzichten
Im nicht-medizinischen Bereich:
⚠️ Der Freizeitkonsum von Ketamin ist illegal und gefährlich. Dennoch sollten Risiken bekannt sein:
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Niemals allein konsumieren
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Kleine Anfangsdosis wählen
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Pulver nicht schätzen, sondern (falls überhaupt) wiegen
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Keine Mischkonsumenten
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Auf Anzeichen von Überforderung achten
Langzeitfolgen von wiederholten hohen Dosen
Auch wenn eine einzelne Überdosis nicht tödlich verläuft, kann regelmäßiger Missbrauch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben:
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Blasenschäden (Ketamin-Bladder): Schmerzen, starker Harndrang, Blut im Urin
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Kognitive Defizite: Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwäche
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Psychische Abhängigkeit: Starkes Verlangen nach Wiederholung des Effekts
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Soziale Isolation
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Depressionen, Psychosen
Langfristige Überdosierungen oder Missbrauch belasten Niere, Leber und Psyche massiv.
Fazit: Ja, man kann Ketamin überdosieren – und es ist ernst zu nehmen
Ketamin ist ein wertvolles Medikament mit viel Potenzial – sowohl in der Anästhesie als auch in der modernen Psychotherapie. Doch es ist kein harmloses Mittel: Eine falsche oder übermäßige Anwendung kann schwerwiegende gesundheitliche Risiken nach sich ziehen.
Eine Überdosierung ist möglich, besonders bei unsachgemäßem oder missbräuchlichem Gebrauch. Die gute Nachricht: Mit medizinischer Überwachung, korrekter Dosierung und Aufklärung lässt sich das Risiko auf ein Minimum reduzieren.
Verwenden Sie Ketamin niemals ohne ärztliche Aufsicht. Bei Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich immer an medizinisches Fachpersonal.