1. Was versteht man unter „Molly“ und MDMA?
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MDMA (3,4‑Methylendioxy‑N‑methylamphetamin) ist die reine chemische Substanz, die für die empathogenen und stimulierenden Effekte klassischer „Ecstasy‑Erfahrungen“ verantwortlich ist.
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Molly (US‑Slang) bezeichnet ursprünglich pures MDMA in kristalliner oder Pulverform – im Gegensatz zu Ecstasy‑Tabletten, die häufig Zusätze enthalten. In der Praxis trägt jedoch längst nicht jedes als „Molly“ verkaufte Pulver tatsächlich reines MDMA.
2. Chemische Eigenschaften und Reinform
Reines MDMA‑Hydrochlorid liegt bei Raumtemperatur als farblose bis weißliche, leicht glänzende Kristallmasse vor.
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Schmelzpunkt: ~148 °C
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Geruch: nahezu geruchlos
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Geschmack: bitter (Vorsicht: Geschmacksprobe schützt nicht vor Fehlkauf!)
Schon geringe Spuren von Lösungsmittelresten, Luftfeuchte oder Verunreinigungen können die Farbe ins gelbliche, bräunliche oder roséfarbene verschieben.
3. Typische Erscheinungsformen im Detail
3.1 Kristallines MDMA („Rock MDMA“)
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Optik: glitzernde, grobkörnige Kristalle oder kantige Brocken (1 mm – 1 cm).
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Farbe: klar bis weiß; bei Verunreinigungen gelb, beige oder leicht rosa.
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Konsistenz: hart; lässt sich mit Messer oder Mörser zerbrechen.
3.2 MDMA‑Pulver („Molly Powder“)
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Optik: feines bis mittelgrobes Pulver, häufig aus zerkleinerten Kristallen.
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Farbe: weiß bis hellgrau; durch Feuchtigkeit verklumpend.
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Verpackung: Zip‑Bags, Alufolie, seltener Papierbriefchen.
3.3 Gepresste Ecstasy‑Tabletten
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Optik: runde oder ausgefallen geformte Pillen (Herz, Totenkopf u. a.).
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Farbpalette: von Weiß über Pastell bis Neon; oft Logos (Tesla, Snapchat, Rolex …).
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Gewicht: 200–400 mg, Wirkstoffgehalt extrem variabel (20–300 mg MDMA oder gar kein MDMA!).
3.4 Kapselfüllungen & Mischpräparate
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Hülle: transparente Gelatine oder vegetarische Cellulose.
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Inhalt: meist Pulver – kann pures MDMA, Mischungen oder völlig andere Substanzen enthalten.
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Vorteil für Dealer: leicht zu dosieren und optisch „sauber“.
4. Visuelle Merkmale & Unterschiede
Merkmal | Reines MDMA (Idealfall) | Hinweis auf Verunreinigung |
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Farbe | farblos/weiß | kräftiges Gelb, Braun, Pink |
Glanz | glas‑ oder zuckerähnlicher Schimmer | stumpf, matt |
Geruch | neutral | chemisch, lösungsmittelartig |
Klumpen | selten (nur bei Feuchte) | stark verklumpt = Feuchtigkeitszugabe, Sugaring |
Achtung: Optische Prüfung ist niemals zuverlässig genug, um Reinheit oder Identität sicher festzustellen.
5. Falschdeklarationen und Streckmittel
Studien europäischer Drug‑Checking‑Projekte zeigen:
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Bis zu 30 % der als „Molly“ verkauften Proben enthielten gar kein MDMA, sondern Substanzen wie cathinonähnliche Stimulanzien (z. B. 4‑CMC, N‑ethyl‑Pentedron) oder synthetische Halluzinogene.
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Häufig eingesetzte Streckstoffe: Koffein, Zucker, Talkum, Paracetamol, Metamphetamin.
6. Reagenz‑ und Labortests: so erkennt man echte Substanz
Schnelltest‑Reagenzien (z. B. Marquis, Mandelin, Mecke)
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Anwendung: 1 mg Probe + 1 Tropfen Testflüssigkeit.
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Reaktionsfarbe: MDMA → Dunkelviolett / schwarz innerhalb weniger Sekunden.
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Einschränkung: Gibt nur Hinweis, nicht quantitativen Reinheitsgrad.
Professionelles Drug‑Checking
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GC‑MS oder HPLC in Laboren/Analysestationen.
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Liefert exakte Angaben zu Wirkstoffgehalt und Verunreinigungen.
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In mehreren deutschen Städten (z. B. Berlin, Freiburg) sowie in der Schweiz, Österreich, den Niederlanden verfügbar.
7. Risiken bei rein optischer Beurteilung
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Überdosierung: Kristalle sehen harmlos aus, können aber >80 % MDMA enthalten.
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Fehlkauf: Chemisch ähnliche Research‑Chemicals können optisch identisch sein, aber unverhersehbare Effekte erzeugen.
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Gesundheitsschäden: Verunreinigungen (z. B. Schwermetalle, Lösungsmittel) belasten Leber & Nieren.
8. Tipps für maximale Sicherheit
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Testen statt raten: Reagenztest nutzen und idealerweise labortechnisch checken lassen.
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Auf Chargen achten: Selbst bei gleicher Quelle können Konzentrationen schwanken.
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Start low, go slow: Nie mehr als 1 mg/kg MDMA‑Base als Anfangsdosis (entspricht ~1,26 mg/kg HCl‑Salz).
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Hydration & Pausen: Genug Wasser, Elektrolyte; keine wöchentliche Einnahme, um Neurotoxizität zu minimieren.
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Keine Mischkonsum-Experimente: Alkohol, MAO‑Hemmer, SSRI, Stimulanzien erhöhen Risiken massiv.
9. Kurz‑FAQ
Q1: Kann reines MDMA gelb oder braun sein?
Ja, geringfügige Verfärbungen durch minimal verbleibende Synthese‑Rückstände sind möglich. Kräftiges Gelb deutet jedoch oft auf Streckmittel oder Hitze/Feuchte‑Schäden hin.
Q2: Sehen kristallines MDMA und Methamphetamin gleich aus?
Optisch können beide Substanzen klar‑kristallin wirken. Nur chemischer Test schafft Klarheit.
Q3: Bestehen gute Ecstasy‑Tabletten immer aus reinem MDMA?
Nein. Tabletten können entweder zu wenig, zu viel oder auch gar kein MDMA enthalten – Labortest notwendig.
10. Fazit & wichtigste Take‑aways
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Medizinisches MDMA ist farblos, kristallin; illegale Ware variiert stark in Farbe & Form.
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Rein optisch lässt sich MDMA nicht zuverlässig von Streckmitteln oder anderen Drogen unterscheiden.
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Drug‑Checking (Reagentien & Laboranalysen) ist die einzige praktikable Methode, um Substanz und Reinheit sicher festzustellen.
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Ungetestete Produkte bergen hohe Risiken: Fehldosierung, gefährliche Beimengungen, unvorhersehbare Wirkungen.